Wenn Dreck unter dem Teppich über den Kopf wächst

Der langjährige Regierungsrat Markus Notter (SP) hat am 1. Juni 2010 seinen Rücktritt als Vorsteher der Zürcher Direktion der Justiz und des Inneren bekannt gegeben.

Der Rücktritt von Regierungsrat Markus Notter kommt nicht überraschend, überrascht aber doch. Eigentlich handelt es sich nicht um einen Rücktritt. Markus Notter wird nächstes Jahr lediglich nicht zur Wiederwahl stehen, lässt die sozialdemokratische Partei des Kantons Zürich verlauten. Und: einen Bundesrat Markus Notter werde es nicht geben, weiss der Tagesanzeiger zu berichten.

Eine unselige Serie von kleineren und grösseren Justiz-Skandalen erschütterte in regelmässigen Abständen den Kanton Zürich. Ruedi Baumann spekuliert im Tagesanzeiger denn auch, die stetigen Angriffe seiner politischen Gegner, allem voran der rechts-nationalen Schweizerische Volkspartei (SVP), hätten Markus Notter ermüdet.

In der Tat haben in den letzten Jahren immer wieder Skandale die Zürcher Justiz und damit auch Notters Sessel erschüttert. Doch scheinbar unermüdlich trotzte Markus Notter der harschen Brise, die ihm ebenso regelmässig ins Gesicht wehte. Sein „Rücktritt“ kommt deshalb nicht ganz unerwartet. Dennoch überrascht er! Gerade die jüngsten Eskapaden der Zürcher Justiz verlangen nach einem erfahrenen Justizdirektor, im Grunde nach Markus Notter. Ist dieser nun der steten SVP-Angriffe müde und tritt er deshalb zurück? Oder war er während seiner ganzen Amtsdauer zu weich, sein Departement mit der notwendigen Härte zu führen, und sieht er sich nun mit einem kaum mehr zu bewältigenden Problemberg konfrontiert, den die Regelmässigkeit, mit welcher Missstände im Zürcher Justizwesen an die Öffentlichkeit drangen, angehäuft hat?
Erkannte Markus Notter womöglich, dass er die Schärfe, mit welcher die Belegschaft der Zürcher Justiz einzig zu führen zu sein scheint und die sich angesichts der regelmässigen Problemfälle aufdrängt, nicht aufzubringen vermag? Hat Regierungsrat Markus Notter nach 14 Amtsjahren die Kraft, die Peitsche zu schwingen, verloren oder eingesehen, dass es einen Menschenschlag an der Spitze der Zürcher Justiz erfordert, dem er vermeintlich nicht entspricht?

Die Zürcher Direktion der Justiz und des Inneren ist nicht das einzige Sorgenkind der Zürcher Regierung. Auch Dienste unter der Aufsicht der Sicherheitsdirektion, die der Führung von Hans Hollenstein (CVP) untersteht, erregten jüngst die Aufmerksamkeit der Medien, so das Zürcher Migrationsamt mit angeblich total degenerierter Arbeitsmoral, über die sich selbst die Kantonspolizei Zürich öffentlich beschwerte.
Die öffentliche Wahrnehmung verschiedener Fehlleistungen von Behörden ordnet diese womöglich irrtümlich der Justizdirektion zu, weil sie thematisch der Justiz nahestehen, beispielsweise das Migrationsamt oder die Kantonspolizei.

Über Dreck, den die Zürcher Justiz unter den Teppich zu kehren vermochte und der gar nie erst an die Öffentlichkeit gelangte, kann zum heutigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Angesichts der Missstände, die in den letzten Jahren publik wurden, ist zu vermuten, dass sich unter dem Teppich mit den Insignien der Zürcher Justiz, und womöglich anderer Direktionen, Dreck in einem weitaus grösseren Ausmass angesammelt haben, zu einem eigentlichen Dreckberg angewachsen sein könnte.
Für jene, die beruflich auf solchem Teppich verkehren müssten, dürfte eine Aussicht aus luftiger Höhe wenig erbaulich sein: ein Berg aus regelmässig unter den Teppich gekehrtem Dreck unter den Füssen ist je höher um so wackeliger. Ist er am Ende einsturzgefährdet, ist es Zeit abzuspringen…

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