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Wer mit dem Feldstecher (auch Fernglas genannt) späht, sieht von fern, was da und dort vor sich geht, bleibt dabei weitgehend unnahbar, vielleicht geradezu unsichtbar.

Es geht darum, aus sicherer Distanz ins Feld zu stechen – wörtlich und im übertragenen Sinn.

Der Müll muss weg

Die Auseinandersetzung mit politischen Fragen, die Meinungsbildung, regelmässiges Zeitungslesen sowie die Teilnahme an politischen Prozessen wie Abstimmungen und Wahlen ist im demokratischen Staat wenn nicht eine Pflicht der Bürgerinnen und Bürger so doch eine Tugend. Oder: „Wer nicht stimmt, über den wird bestimmt“, wie der allseits bekannte Slogan lehrt.

Feldstecher ist ein Schweizer, der nach Erreichen des politischen Mündigkeitsalters regelmässig abgestimmt und gewählt, Stimmdisziplin gezeigt hat – jahrelang, bis zum Tag, an welchem es ihm gründlichst reichte.
So wenig Feldstechers Stimmabgaben zählten, so wenig Einfluss werden zwar seine Lebensäusserungen in der Blogosphäre zeitigen. Und doch haben sie in der Blogosphäre einen grossartigen Vorteil gegenüber zeitverschwenderischer, zeitlich punktueller Abgabe von Stimm- und Wahlzetteln: die Meinungsäusserungen sind im Internet statisch, von jederfrau und jedermann jederzeit aus dem Archiv abrufbar.

Interessant wäre vielleicht, weshalb es Feldstecher mit der Politik eines schönen Tages reichte? Es tut nichts zur Sache. Vermutlich sind es dieselben Gründe, die zahllose andere Politikverdrossene auch nennen würden. Aber was bedeutet es, nach jahrelang gelebter Stimmdisziplin – das heisst regelmässiges Abstimmen und Wählen – nun nicht einmal mehr das Couvert mit den Abstimmungsunterlagen jeweils mit handschriftlich angebrachtem Vermerk “RETOUR” zurück an den Absender auf der nächsten Poststelle aufzugeben, es ebensowenig zur Altpapiersammlung zu legen, sondern neuerdings jeweils grosszügig in öffentlichen Mülleimern zu entsorgen? Was bedeutet es für Feldstecher? Was bedeutet es für den Staat?
Es bedeutet zuallererst einmal, dass Feldstecher keine Musse mehr hat, Stimmcouverts bis zur nächsten Altpapierabfuhr aufzubewahren, sondern sie möglichst rasch aus dem Haus haben will, also mit der nächsten Müllabfuhr. Der Müll muss weg, besonders der Polit-Müll, den wir allenthalben antreffen. Damit es noch schneller geht, bieten sich die öffentlichen Mülleimer an. Ausserdem belastet die Entsorgung so auch Feldstechers Budget nicht.

Offen für alle

Feldstechers Blog ist offen für alle. Er arbeitet für jene, denen es wie Feldstecher reicht, jene die bewusst und willentlich Abstimmungen und Wahlen boykottieren und damit die Quote der Stimmbeteiligung nach unten drücken. Dieser Blog richtet sich weniger an jene, die sich für Politik schlicht überhaupt nicht interessieren und deshalb mit dem Stimmcouvert jeweils nichts anzufangen verstehen. Er richtet sich an jene, bei denen der Zapfen ab ist und die infolgedessen entweder typisches Protestwählerverhalten zeigen oder aber sich politisch komplett ausklinken.

Feldstecher ist sicherlich nicht als exquisite Abendlektüre für durchschnittliche politisch aktive oder interessierte Menschen oder Parteigängerinnen oder Parteigänger gedacht und schon gar nicht auf Menschen ausgerichtet, die einer Behörde angehören, ein politisches Amt bekleiden, in der Justiz tätig sind oder für die Mainstream-Presse schreiben.

Feldstecher, 3. und 18. Juni 2010